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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 36 mal aufgerufen
 SPD
Gunter Weissgerber Offline




Beiträge: 620

20.09.2015 17:42
1993 - Engholm's Abgang antworten

Bis zu seinem Abgang 1993 hatten wir (die SPD-MdBs) das tägliche Theater Lafontaine/Schröder/Wieczoreck-Zeul gegen die Bundestagsfraktion (Klose) und den Parteivorsitzenden in den Medien zu verdauen.
Dienstags bpsw. saß die Fraktion und rang sich Millimeter für Millimeter zum Asylkompromiß (GG 16) durch. Ausgerechnet die "Weicheier" Engholm und Klose setzten die SPD damals auf die realistische Spur und paßten den GG-Artikel 16 an die damals neuen Herausforderungen an. Was bis vor kurzem gut hielt.
Was taten Lafontaine/Schröder/ W-Z? Abends verkündeten Engholm oder Klose die jeweiligen Fortschritte in dieser Diskussion vor der Bundespressekonferenz und pünktlich wenige Stunden später in den Tagesthemen oder im Heute-Journal saßen Lafontaine oder Schröder oder W-Z und machten das alles nieder. Schröder: "Mit mir keine GG-Änderung!" u.ä. Statements in der Brandung.
Was geschah nach Engholms Abgang wie von Geisterhand? Gerhard Schröder persönlich verkündete in den Nachrichtensendungen, dass die SPD selbstverständlich den Asylkompromis umsetzen muss und wird!!! Verhöhnter konnte sich ein SPD-Mitglied überhaupt nicht vorkommen. Sofort schrieb ich meinen Antrag für eine Parteikommission zur Untersuchung der Umstände von Engholms Abgang. Für mich war klar, die "Königsmörder" durften nicht die nächsten Könige werden! Deshalb stritt ich überall z. B. gegen die Kandidatur Gerhard Schröders für den Parteivorsitz in direkter Nachfolge von Engholm.
So sah dies damals auch die Mehrheit der SPD-Mitglieder und deshalb wurde der eher unbekannte Rudolf Scharping, der sich gegen Engholm nicht bekleckert hatte, gewählt.

Dateianlage:
Untersuchungskommission .pdf
Stephan Hilsberg Offline




Beiträge: 194

21.09.2015 08:36
#2 RE: 1993 - Engholm's Abgang antworten

Ja ich erinnere mich natürlich.

Der Hintergrund des Rücktritts Engholms war, dass er überzogen hatte. Er wollte in seiner Affäre mit diesem Spitzel, (weiß gar nicht mehr, wie der hieß; ist kürzlich gestorben) sauber dastehen. Aber das war er nicht. Und nachdem einer seiner Berater, nämlich Gansel klargemacht hatte, dass er zumindest sich in die falsche Loyalität nicht einpassen läßt, war Engholm klar, dass er das nicht durchhalten kann. Da ist er zurückgetreten. Ich habe nicht den Eindruck, dass er heute noch drunter leidet.

Ansonsten ist er einer der Apologeten der 68-ger in der West-SPD, nicht der unsympathischste, und nicht der unfähigste. Aber auch er ist ein Zyniker. So wie Schröder, und Lafontaine es immer noch mehr sind. Und zwischen ihnen allen hat ein furchtbarer Machtkampf getobt, den Schröder zum Schluß gewonnen hat. So erklären sich die Querschläge. Mit Solidarität hatte das nichts zu tun.

Und was Arti. 16 anbelangt, so hat damals Lafontaine als Chef der Antragskommission beim Bundesparteitag für den entscheidenden Passus gesorgt, der dann später die Grundlage für die Drittstaatenregelung wurde.

So weit gehe ich mit Dir konform.

Ich fand die damalige Regelung nicht sauber. Auch damals steckte mehr hinter dem Massenandrang an Migranten nach Deutschland. Dieser Druck, der hier auf Deutschland und Europa lastete, war mit Mauern nicht beizukommen. Wir hätten damals schon ein Einwanderungsgesetz gebraucht. Es war klar, dass weder die GG-Änderung, noch die Drittstaatenregelung, noch Dublin, in der Lage sein würden, den Druck auf Dauer abzufangen. Besonders die Drittstaatenregelung ist besonders zynisch gewesen, weil sie den schwachen Staaten an den EU-Außengrenzen die Hauptlast der Flüchtlingsabwehr auferlegt hat. Und die sind dann außerdem noch alleine gelassen worden.

Jetzt ist das Kartenhaus zusammengebrochen. Schaun mer mal, wies weitergeht.

Gunter Weissgerber Offline




Beiträge: 620

21.09.2015 08:57
#3 RE: 1993 - Engholm's Abgang antworten

Der Mann hieß Pfeiffer.
Deine Schilderung ist korrekt, doch blendet sie die zumindest Schrödersche Show gegen Engholm/Klose völlig aus. Auch wissen wir beide, was 2015 noch nicht richtig möglich ist, konnte 1993 überhaupt noch nicht auf den erfolgversprechenden parlamentarischen Weg gebracht werden. Unsere Mühlen mahlen nun mal langsam und vor allem wächst der Erkenntnisgewinn erst mit starkem Erkenntnisdruck....

Was Norbert Gansels Rat zum Rücktritt angeht, diesen Rat hätte ich ich definitiv nicht gegeben. Weil er eine Art Schuldumkehr darstellte.
Engholm wurde doch von der Barschel-CDU bespitzelt, öffentlich beschädigt und strategisch geplant diffamiert.
Ich hielt Engholms Art des Umgangs mit diesen Sauereien für eine intelligente Retourkutsche. Die Union mit ihrer ehrenrührigen Kampagne vor die Wand laufen lassen. Das war richtig.
Allein vorher behaupten ohne es beweisen zu können, dass Barschel ein mieser Vogel sei, dies wäre nur als Wahlkampftheater seitens der SPD ausgelegt worden. Engholm hat Barschel auf frischer Tat ertappen lassen. Die Polizei macht es richtigerweise nicht anders.
Nicht Engholm war der Ganove, Barschel war es. Mit seinem Rücktritt hatte Engholm genau diese Erkenntnis für die breite Öffentlichkeit zunichte gemacht.

Gunter

Stephan Hilsberg Offline




Beiträge: 194

21.09.2015 12:35
#4 RE: 1993 - Engholm's Abgang antworten

Ein direkter Rat war das nicht. Ich glaube Engholm ist da etwas klargeworden. Und dann konnte er gar nicht mehr anders.

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