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Stephan Hilsberg Offline




Beiträge: 194

08.09.2015 11:25
Ostproblem ? - Ostproblem ! antworten

Natürlich sind Pegida und Legida, Freital und die vielen Brandanschläge auf tatsächliche und vorgesehene ostdeutsche Asylbewerberunterkünfte ein Ostproblem. Nicht nur, aber vor allem. Gerade diejenigen, die wie Ramelow nicht müde werden, ihren Gesamtdeutschen Charakter zu betonen, müssen sich hier an den eigenen Kopf fassen. Denn es ist ihre Politik die die ostdeutsche Inselsicht begünstigt und befördert hat. Und da befinden sich Tillich, Haseloff und Ramelow in einer Wertegemeinschaft.

Die SED hatte ihre Bürger abgeschottet von der Welt und sie hat ihnen ihre Eigenverantwortung genommen.

Es ist aber eine der wichtigsten Merkmale eines Bürgers in unserer Zeit und Gesellschaft, sich der politischen Dimension seines Lebens und seines Handelns bewusst zu sein. Die Gesellschaft, und die realen politischen Verhältnisse bestimmen den öffentlichen Rahmen seines Lebens. Kein Mensch lebt für sich privat allein. Das aber haben die Ostdeutschen, die DDR-Bürger versucht. Sie haben ihr privates Leben gegen die ihre politischen und öffentlichen Einschränkungen gesetzt. Sie haben ihr Glück im privaten finden wollen, und nicht selten dort auch gefunden.

Die einschränkenden Bedingungen ihres im öffentlichen Raum der DDR stattfindenden Lebens sind von Millionen von Menschen verdrängt worden. Sie haben keine Möglichkeiten gesehen, an diesen politischen Daseinsbedingungen etwas zu ändern. Wenn schon, dann war es einzig die Ausreise aus der DDR, die ihnen einen Ausweg bot.

Doch die repressiven Einschränkungen im Berufsleben, in der Bildung, in den Medien, kurz in ihren Grundrechten wurden als unabweislich hingenommen. Die Einschränkungen im Lebensstandard, im Einkommen, in der Warenqualität, der Gesundheitsversorgung, der Lebenserwartung, die die Lebensqualität der Menschen erheblich begrenzten und einengten waren eine Folge der politischen Verhältnisse.

Eine Auseinandersetzung mit diesen Zusammenhängen fand in der DDR bei den wenigsten Menschen statt. Dazu hätte es einer öffentlichen Diskussion bedurft. Die aber wusste die SED zu unterbinden. Und die SED hatte aus ideologischen und machtstrategischen Gründen kein Interesse an einer solchen öffentlichen Diskussion. Sie hat ihre Bürger von den Sorgen ums Gemeinwohl zu befreien gesucht. Sie hatte den Alleinvertretungsanspruch für die politische Daseinsvorsorge in der DDR.

So sind die Bürger in der DDR um ihre politische Dimension und die Verantwortung fürs Öffentliche von der SED bestohlen worden. Das war die innere Dimension der Mauer.

Wie manch andere Gefangenen haben sie es sich in ihrem Gefängnis eingerichtet.

Es lebt sich gut ohne Verantwortungsgefühl.

Der Rückzug ins Private, die Insel der Seligen, die ist von der DDR geblieben. Sie ist eine der Gründe für die Schwächen der ostdeutschen Demokratie und für den eklatanten Mangel an Gemeinsinn und Mitmenschlichkeit, die sich bei Pegida und in Freital offenbart hat.

Dass die NPD das ausnutzt, liegt auf der Hand. Dass es Brandanschläge auch im Westen gibt, dass sie auch hier entsetzlich sind, dass es auch hier Menschen gibt, die sich von der NPD vertreten fühlen, schlimm genug. Der Westen ist auch keine Insel der Seligen. Niemand hat das je behauptet.

Doch in Ostdeutschland haben diese Fakten eine eigene Dimension.

Jahrzehntelang hat die ostdeutsche Politik die Ostdeutschen in ihrer Inselwahrnehmung bestärkt. Hervorragend ließ sich mit den ostdeutschen Ressentiments gegen die Wessis, gegen Europa, gegen Amerika Politik machen.

Jetzt mit der Flüchtlingsbewegung bricht die große äußere Welt, die man in Ostdeutschland niemals als Teil von sich selbst begriffen hat, auf Ostdeutschland herein. Jetzt ist die Gelegenheit, die ostdeutsche Inselmentalität in Frage zu stellen. Man kann sich nicht von der Welt abschotten. Man kann sie nur versuchen im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu gestalten; klug und nachhaltig.

Es ist ja schön, wenn sich die neue Willkommenskultur auch in Heidenau zeigt. Höchste Zeit. Aber sie darf nicht zum Feigenblatt für die ganz spezifische eigene Problemlage der ostdeutschen Ausländerfeindlichkeit gemacht werden.

Und deshalb muss man den Ostdeutschen zuerst sagen: ja Freital und Heidenau sind ein Ostproblem und auch ein Problem der Sachsen, und Tröglitz ist ein Anhaltinisches, und Ebeleben ein Thüringer Problem. Und alle zusammen sind auch eine Spätfolge der DDR und damit Ostdeutschlands Erst wer sich an die eigene Nase fasst, wird seinen Schnupfen beseitigen können. Wer seinen Schnupfen aber tabuisiert, dem wird ewig die Nase laufen.




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