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 Linksextremismus Newsletter / Hohenschönhausen
Gunter Weissgerber Offline




Beiträge: 626

24.08.2017 14:23
13.07.2017 Teil 2 Antworten

Innenminister de Maiziere distanziert sich von Maas-Äußerungen zu G20-Gipfel:„Es wird in deutschen Städten auch weiterhin solche Treffen geben“, Bild, 10.07.2017. http://www.bild.de/politik/inland/g20-gi...94188.bild.html
„Für Bundesjustizminister Heiko Maas (50, SPD) ist nach den Krawallen klar: „In einer deutschen Großstadt wird es nie wieder einen solchen Gipfel geben.“ Das sagte er am Montagmorgen im BILD-Talk „Die richtigen Fragen“.
Doch damit erntet er Kritik!
► Bundesinnenminister Thomas de Maizière (63, CDU) widerspricht: „Ein G20-Treffen kann nur in einer großen Stadt stattfinden. Es wird auch weiterhin in deutschen Großstädten solche Großveranstaltungen geben. Alles andere wäre eine rechtsstaatliche Kapitulation.“
Der Politiker weiter bei einer Pressekonferenz in Berlin: „Wir werden nicht zulassen, dass Gewalttäter darüber bestimmen, ob und wo Staats-Chefs sich treffen.“
►Ähnlicher Meinung ist auch Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (65, FDP): „Natürlich müssen sich die G20 jederzeit und überall treffen können. Es wäre ja wohl noch schöner, wenn linke Chaoten aus Hamburg dafür sorgen könnten, dass sich die Staatschefs künftig nur noch in New York bei der UNO treffen können,“ […]
Über die Täter, die in den vergangenen Tagen ganze Straßen der Hansestadt regelrecht verwüsteten, sagte Justizminister Mass im BILD-Talk: „Das sind asoziale Schwerstkriminelle.“ Es seien in Hamburg „schwere Straftaten begangen worden – bis hin zum versuchten Mord“.
Er wünschte sich, „dass das nicht ohne gesellschaftliche Reaktion bleibt. Wir sind viel zu oft die schweigende Mehrheit“, sagte der Justizminister. Vielleicht müsse „es auch ein ’Rock gegen Links’ geben“.“



Justizminister. G20-Krawalle – Heiko Maas denkt über "Rock gegen Links" nach, Berliner Morgenpost, 10.07.2017. https://www.morgenpost.de/politik/articl...egen-Links.html
„Auf die Frage der "Bild"-Zeitung "Also Sie wünschen sich ein ,Rock gegen Links?'", antwortete der Minister: "Ja, ein 'Rock gegen links' oder was auch immer. Das werden diejenigen entscheiden müssen, die das dann auf die Beine stellen. Aber so etwas kann doch nicht ohne gesellschaftliche Reaktion bleiben."“



Sonja Thomaser: Shitstorm für Maas. „Bild“ legt Maas Forderung nach „Rock gegen links“ in den Mund, Frankfurter Rundschau, 10.07.2017. http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-m...-mund-a-1311132
„Eine weitere Nachwehe der Auschreitungen bei G20 geistert durch die Medien: Heiko Maas fordert angeblich - in Anlehnung an die Veranstaltung „Rock gegen rechts“ - einen „Rock gegen links“. Nur hat er das nie gesagt. […]
Die Vertreter der „Bild“, Anna von Bayer und Nikolaus Blome, bringen die Idee und diese gezielte Forderung ins Spiel. Maas selbst benutzt niemals die Worte „Ich wünsche/fordere einen ‚Rock gegen links‘.“ Er war lediglich unvorsichtig genug, den Begriff aufzugreifen.
Hängen bleibt nun aber nur die Schlagzeile „Maas fordert ‚Rock gegen links‘“, die sich rasend schnell im Netz verbreitet. […]
Heiko Maas selbst hat noch keine Richtigstellung oder ein Statement dazu abgegeben. Allerdings hat er den Artikel von Bild.de, in dem sein Zitat verfälscht widergegeben wurde, auf Twitter geteilt.“



HuffPost Staff / lp / ks: "Rock gegen Links"? SPD-Justizminister Maas fordert Reaktion auf G-20-Gewaltprotest, Huffingtonpost, 10/07/2017. http://www.huffingtonpost.de/2017/07/10/...n_17449382.html
„Der Politologe Maximilian Pichl kommentierte ähnlich: "Heiko Maas wünscht sich in der BILD ein Rockkonzert gegen links. Wer da wohl auftreten wird? Stahlgewitter? Störkraft? Oidoxie?““



http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...-a-1157101.html



Suche nach G-20-Randalierern. Maas schreibt zweiseitigen Brief an alle EU-Partner, Die Welt, 11.07.2017. https://www.welt.de/politik/ausland/arti...EU-Partner.html
„Am Montag hatte die Bundesregierung Linksextremisten bundesweit den Kampf angesagt. „Die Ereignisse rund um den G-20-Gipfel müssen auch eine Zäsur für den Blick auf die Gewaltbereitschaft der linksextremistischen Szene sein“, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin. Künftig müsse man noch mehr mit heftigsten Gewaltausbrüchen von Linksextremisten rechnen. Die Täter verglich er mit Neonazis und islamistischen Terroristen. „Es darf in den Städten unseres Landes keine tolerierten Rückzugsräume für Gewalttäter geben – das gilt in Hamburg, das gilt in Berlin, und das gilt überall anders auch.“ In Hamburg erwarte er harte Verurteilungen. „Auf Landfriedensbruch steht eine mehrjährige Haftstrafe.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach bei einem Besuch der CSU-Landesgruppe im fränkischen Kloster Banz, mehr Geld in die innere Sicherheit zu investieren. Es müsse die Ausrüstung der Polizisten verbessert werden und die Zahl der bei den Sicherheitsbehörden arbeitenden Menschen erhöht werden, sagte sie. […]
Bürger schickten Tausende Videos und Bilder an die Polizei, sagte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. Bilder von maskierten und unmaskierten mutmaßlichen Tätern gingen ein. „Es ist eine Flut von Informationen, die jetzt durchermittelt werden müssen.“ Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) kündigte im NDR an, aufgeklärt werden solle auch, wer Gewalttäter eingeladen, beherbergt und gedeckt habe.“





Katharina Schuler interviewt Hans-Christian Ströbele: "Das ist in Berlin längst Geschichte", Die Zeit, 10. Juli 2017. http://www.zeit.de/politik/deutschland/2...komplettansicht
„Der Grünen-Politiker Ströbele gehörte selbst zu den G20-Demonstranten. Ein Gespräch über Protest, linke Gewalt und die Frage, was Hamburg von Berlin lernen kann. […]
Von einem zerstörten Stadtviertel, wie es jetzt manchmal heißt, konnte auch im Schanzenviertel keine Rede sein. Am Samstagnachmittag war die Stimmung auch hier gelöst und friedlich. Aber natürlich haben auch mich die Bilder der Krawalle, die ich im Fernsehen gesehen habe, entsetzt. […]
Ich habe während der Demonstration Berliner Polizisten gefragt, ob die Hamburger Polizei die Berliner Deeskalationsstrategie nicht gekannt hat oder nicht anwenden wollte. Als die Demonstrationen am Donnerstag begannen, haben die ja etwas gemacht, was in Berlin so nicht mehr möglich wäre: In einen großen Demonstrationszug mit solcher Brachialgewalt reingehen, mit Wasserwerfern und Stöcken, nur weil da ein paar Reihen Vermummte dabei sind. Das ist in Berlin längst Geschichte. […]
Das Vorgehen der Polizei gegen die Demonstration war unverhältnismäßig. Von Anfang an jede Regelwidrigkeit oder kleine Straftat zu verfolgen, das schafft nur Aggressionen und trägt dazu bei, dass das Ganze außer Kontrolle gerät. Ich will nicht sagen, dass das, was in der Nacht zum Samstag geschah, mit einer anderen Polizeistrategie völlig hätte vermieden werden können. Die Straftaten scheinen ja auch vorbereitet gewesen zu sein. Sie müssen aber sehen, dass die unverhältnismäßig große Aggressivität der Polizei zu einer Solidarisierung der normalen Demonstranten mit den Gewalttätern führt, die dann wiederum dazu beiträgt, dass die Polizei nicht gegen die Krawallmacher vorgehen kann. […]
Da sind Leute dabei, die sagen, wir wollen uns keine Polizeigewalt gefallen lassen. Und es gibt Leute, die nicht mehr daran glauben, dass man gegen das G20-System mit Transparenten ankommt. Trotzdem schaden sie der notwendigen Kritik an der Politik der G20 mit ihrem Vorgehen, weil die Berichte über die Gewalttaten den friedlichen Protest von Zehntausenden dominieren. […]
Die Frage ist: Was ist Linksextremismus? Häufig trifft dieses Etikett Antifagruppen, die eine sehr informierte Politik machen gegen Rechte und rechte Gewalt. Ich mache oft die Erfahrung, dass diese Gruppierungen besser über rechte Gewalttäter informiert sind als die staatlichen Institutionen. Wenn diesen nun die Gelder gestrichen würden, weil sie angeblich linksextrem sind, fände ich das falsch. […]
Natürlich brauchen wir weiterhin Zentren, in denen alternatives Leben gedeiht. Man sollte Einrichtungen wie die Rote Flora nun nicht denunzieren, indem man so tut, als dienten die dazu, Gewalt zu organisieren. Da möchte ich erst mal Beweise dafür sehen, dass in der Roten Flora wirklich Straftaten vorbereitet wurden. […]
ZEIT ONLINE: Was kann der Staat ansonsten tun? CDU-Politiker wie Jens Spahn fordern, dass man von linken Initiativen, die finanziell unterstützt werden, Geld zurückverlangen könne, wenn die Initiativen sich nicht an demokratische Grundsätze halten. Ist das sinnvoll?
Ströbele: Das ist völliger Kappes. Sie müssten dann ja der Gruppierung nachweisen, dass sie absichtlich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung verstößt. Dass ein einzelnes Mitglied auf einer Demonstration eine Straftat begeht, würde nicht ausreichen, um Geld zurückzufordern.“





Henryk M. Broder: „Die Chaoten haben einen fantastischen Job gemacht“, Die Welt, 10.07.2017. https://www.welt.de/politik/video1664801...ob-gemacht.html
„Der G-20-Gipfel hätte niemals in Hamburg stattfinden dürfen, sagt der Publizist Henryk M. Broder. Man könne nicht eine Million Menschen in Geiselhaft nehmen. Schuld an der Eskalation auf den Straßen seien alle, bis auf die Chaoten.“



Ausschreitungen von Freitagnacht. Polizeivideo zeigt Krawallmacher auf den Dächern der Schanze, Stern, 09. Juli 2017. http://www.stern.de/politik/deutschland/...ze-7531090.html
„Lange zögerte die Polizei in der Nacht zum Samstag mit ihrem Einsatz im Schanzenviertel. Begründung: Die Gefahr von den Dächern. Ein jetzt veröffentlichtes Polizeivideo zeigt, wie Personen die Einsatzkräfte von dort bewerfen. Und wie SEKs die Gebäude stürmen.“



Martin Fischer, dpa: SEK-Einsatz auf den Schanzendächern "Sie haben sich sofort ergeben", Spiegel, 13.07.2017. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/g2...-a-1157522.html
„Die SEK-Einheit von Sven Mewes ging in der G20-Krawallnacht als erste gegen die Randalierer auf den Dächern vor - "sehr robust", wie er sagt. Im Interview berichtet der Beamte, was dann passierte. […]
Nachdem wir das erste Haus durchsucht hatten, war es mein Gefühl, dass absolute Stille im Schanzenviertel vorherrschte. Wir haben keine Steinwürfe mehr wahrnehmen können. Wir haben keine Randalierer mehr feststellen können. Die ganze Situation hat sich - auch in der Nachbetrachtung - mit unserem Einsatz äußerst beruhigt. Auf jeden Fall war die Dynamik der Straftäter absolut raus.“



https://www.welt.de/politik/deutschland/...oten-Flora.html



Jan Lindenau: Gewaltexzess. So erlebte ich die Nacht in der Hamburger Hölle, Die Welt, 07.07.2017. https://www.welt.de/politik/deutschland/...ger-Hoelle.html
„Ganz vorne: etwa 1000 Menschen in Sonnenbrille, Schal und Sturmhaube, vermummt. Dahinter: ein aufblasbarer, schwarzer Block mit der Aufschrift: „Lieber mili-tanz ich als G 20“.
Die Anspannung im Vorfeld war groß: Welche Bilder würden Demonstranten und Polizei zulassen: Prügelnde Beamte mit Pfefferspray und Knüppeln, Steine werfende Extremisten – oder ein friedlicher Zug durch die Stadt. Linke Beobachter waren schon am Donnerstagmorgen skeptisch: Keine Auflagen für die Demonstration, das klang so, als ob die Polizei den Demonstrationszug gar nicht erst loslaufen lassen wollte. Eine Vorahnung, die sich bei „Welcome to Hell“ nach 200 Metern bewahrheiten sollte.
Gut eine Dreiviertelstunde verhandeln Anmelder, Demonstranten, Polizisten: Die Vermummung soll abgenommen werden – nicht zu machen. Dann wird versucht, diese Blöcke vom Rest zu trennen – ebenfalls erfolglos. Bis es knallt. Eine Flasche zerbricht, ein Böller explodiert mitten in der Menge. Die Beamten laufen los, mit Vollgas auf die Vermummten zu. Für die ist die Gasse eine Falle. Hinten stehen die Demonstranten, vorne die Polizisten. Links Gebäude, die Polizei hat sich auch hier positioniert.
Also klettern sie zu ihrer Rechten die rund zwei Meter hohe Mauer hoch, die auf die Uferpromenade führt. Vorher standen hier Zuschauer und andere Demonstranten, jetzt ziehen sich Vermummte in Schwarz gegenseitig in Sicherheit. Panik bricht aus, Reizgas liegt in der Luft, alle, die keine Gasmaske dabeihaben, husten oder halten sich ihr T-Shirt vor die Nase.
Viele Vermummte ziehen sich auf den Fischmarkt zurück, wo kurz zuvor noch Volksfeststimmung herrschte und Couscous verteilt wurde. Jetzt stehen die Schwarzgekleideten am nördlichen Ende, leicht erhöht, in sicherer Entfernung. Die Polizei müsste einmal über den ganzen Platz rennen, um sie zu erreichen. Das traut sich eine Gruppe von Beamten zunächst nur zögerlich – immer größer wird der Abstand zu den Kollegen im Rücken.
Die Aktivisten brauchen nur wenige Sekunden, um die neue Lage, um ihren Vorteil zu erkennen – und zum Angriff überzugehen. Sie brüllen „Anticapitalista!“, immer wieder, erfüllen mit ihrem Kampfschrei den ganzen Fischmarkt. Die Parole mobilisiert: Noch mehr Vermummte kommen dazu, sie recken Holzstöcke Richtung Polizei, werfen Flaschen. Dann, als der Glashagel immer dichter wird, stürmen die Beamten nach vorn – auf die Demonstranten zu. Sie brüllen, schreien sich gegenseitig Mut zu. Während die Vorderen mit Schilden die geworfenen Flaschen abwehren, bringt der Rest Pfefferspray und Knüppel in Position. Die Vermummten flüchten, weichen seitlich aus, greifen zu den Glasflaschen, die in Plastikkisten am Rand des Fischmarkts bereitstehen. Vorhin, zu Beginn der friedlichen Demonstration, standen diese noch nicht hier. […]
Es ist Punkt 23.10 Uhr, als am Schulterblatt, vor der Roten Flora, einem autonomen Kulturzentrum, die ersten Mülltonnen brennen. „Jetzt kommen die Besoffenen“, sagt ein Mann, der das Treiben beobachtet. Einkaufswagen, Abfall, Pizzakartons landen auf dem Feuer. Ein Halbstarker springt auf eine Mülltonne, die er gerade ins Feuer geworfen hat, lässt sich von den Fotografen ablichten. „Hau ab! Mach dich nicht zu dem Symbol, dass du nicht bist“, ruft ihm eine Frau wütend zu. Er springt von der Mülltonne, zieht seine Vermummung runter. „Der war gut“, entgegnet er ihr sichtlich angetrunken.
Der Demonstrationszug steht nur einige Hundert Meter weiter entfernt, es geht nicht mehr weiter. Derweil füllt sich das Schulterblatt mit jungen Menschen, viele mit der Bierflasche in der Hand. Einige legen ihre Vermummung an, schieben einen Fahrradständer auf die Straße, um eine größere Barrikade zu errichten. Ein gutes Dutzend Polizisten steht am anderen Ende der Straße, die Randalierer spüren, dass sie kurzzeitig in der Überzahl sind, werfen mit Flaschen und Steinen. […]
Die ganze Nacht hindurch bleibt die Polizei im Einsatz: 111 Beamte seien verletzt worden, erklärt sie am Morgen, dazu seien 29 Menschen festgenommen und 15 in Gewahrsam genommen worden. Eine geringe Zahl angesichts der Ausschreitungen. Und so verwundert es nicht, dass die Krawallmacher unter den Protestierenden schon im Morgengrauen wieder aktiv werden können.“



https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/af...-eskaliert.html



Ulrich Exner, Denis Fengler, Jan Lindenau: G-20-Eskalation. Die hohlen Erklärungen der Antifa, Die Welt, 08.07.2017. https://www.welt.de/politik/deutschland/...der-Antifa.html
„In der Mitte der im Schanzenviertel gelegenen Straße Schulterblatt zum Beispiel steht am Vormittag sichtbar erschüttert, aber immer aufrecht und geduldig Cord Wöhlke, der die Fragen der Journalisten beantwortet. Er ist der Seniorchef der Drogeriemarkt-Kette Budnikowsky, einer seit 103 Jahren im Familienbesitz befindlichen Hamburger Traditionsfirma, deren Schulterblatt-Filiale in der Nacht vor seinen Augen verwüstet und geplündert worden war.
Sein Sohn hatte ihn am Abend alarmiert, als Vermummte den verriegelten Laden aufbrachen. Wöhlke war daraufhin von einer Geburtstagsfeier ins Schanzenviertel gefahren. Er hatte keine Chance, den wütenden Mob zu stoppen und musste stattdessen zuschauen, wie dieser seine Waren kistenweise aus dem Laden schleppte, sie in ein auf der Straße loderndes Feuer warf und johlte, wenn wieder einmal eine Kiste mit Deospray in den Flammen explodierte.
Die Polizei stand zu diesem Zeitpunkt mit ihren Einsatzkräften zwar keine 500 Meter von dem Laden entfernt, aber sie griff nicht ein. Zu gefährlich erschien der Polizeiführung die Lage in dem Szeneviertel rings um das Kulturzentrum „Rote Flora“. […]
Die Polizei, das bestätigte später ein Beamter, habe um das Leben ihrer Leute gefürchtet und deshalb Sachbeschädigungen im Schanzenviertel als in der Abwägung kleineres Übel hingenommen. […]
Während teilweise hochprofessionell agierende Grüppchen von schwarz Vermummten Feuer legten, in Geschäfte einbrachen, Steine aus dem Asphalt der Straße Schulterblatt brachen, sie anschließend auf Polizisten warfen, die am Rande des Schanzenviertels zusammengezogen worden waren, feierten in den Nebenstraßen des Viertels Tausende vorwiegend junge Menschen; lachten, juxten, tranken, saßen im Freien zusammen, als wäre das alles hier einfach nur eine sehr, sehr laue Sommernacht.
Dabei spielten sich gleich um die Ecke Szenen ab, die einem das Blut in den Adern gefrieren ließen. So versuchte eine dreiköpfige, schwarz vermummte Gruppe in das Geschäft eines Apple-Vertragshändlers in der Schanzenstraße einzudringen, in dem es die Verbundglasscheiben attackierte. Ein Passant, der das Treiben sah und die Täter im Vorbeigehen kurz kritisierte, wurde von den Angreifern umgehend zusammengeschlagen. […]
Eine Straßenecke weiter stürmte ein etwas größerer Trupp ebenfalls vollständig schwarz vermummter junger Männer auf einen gänzlich unscheinbaren Laden zu, auf dessen Schaufenster „Nazi raus“-Aufkleber kleben. Die Gruppe griff das geschlossene Geschäft gezielt an, warf große Steinbrocken in die Fenster, verschwand blitzschnell wieder in einem Hauseingang und hinterließ eine wenigstens für Momente irritierte Anwohnerschaft.
Die fasste sich dann aber schnell wieder und war sich bald ziemlich sicher, dass die Vermummten vermutlich „als Provokateure“ im Auftrag der Polizei unterwegs gewesen seien. Die „Schanze“, keine Frage, tat sich auch an diesem dramatischen Abend sehr schwer damit, ihr gefügtes Weltbild infrage zu stellen. […]
Einer mühte sich auch etwas ungelenk darum, in eine Spielhalle einzudringen. Doch bevor er eintreten kann, stellte sich ihm eine junge Frau in den Weg und blafft den Randalierer an: „Rewe könnt ihr ja plündern, das ist okay. Aber nicht hier, hier sind Menschen drin.“ […]
Zuvor war neben Budnikowsky wie „empfohlen“ auch der benachbarte Rewe-Supermarkt aufgebrochen worden. Drei Jugendliche bekamen vor lauter Neugier den Mund gar nicht richtig zu. Einer von ihnen ging auf einen der vermummten Plünderer zu und sprach ihn an: „Wieso macht ihr das – und wie kann man da mitmachen?“
Der Vermummte antwortete hastig, er wollte weiter in den aufgebrochenen Rewe-Markt. „Sucht im Internet nach unseren Seiten“, sagt er zu dem Jungen, „Interventionistische Linke. Antifa. Organisiert euch. Beim nächsten Mal seid ihr dann dabei.“ Die Jugendlichen hören aufgeregt zu, dann sagt einer stolz zu den anderen: „Wir sind jetzt schon dabei.“ […]
Eine kleine Szene in all dem Chaos, das an diesem Abend im Schanzenviertel herrschte, die die offiziellen Erklärungen der bei der Organisation der Anti-G-20-Demonstrationen hoch aktiven „Interventionistischen Linken“ hohl klingen lässt. Deren Sprecher Nico Berg erklärte am Morgen nach der Eskalation der Gewalt lapidar, dass die Aktionen des Bündnisses „Block G 20“ am Freitag um 18 Uhr beendet worden seien. „Die weiteren Geschehnisse der Nacht“ hätten mit seiner Gruppierung nichts zu tun gehabt.
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac, das ebenfalls zu der Demonstration aufgerufen hatte, die in der Gewaltnacht mündete, hat sich von den gewaltsamen Protesten distanziert. […]
Zuvor hatten die Organisatoren der Demonstration „Grenzenlose Solidarität statt G20“ eine eindeutige Distanzierung von den Gewaltexzessen zunächst vermieden. „Wenn wir uns distanzieren, nützt das keinem, und wenn wir uns nicht distanzieren nützt das auch keinem“, hatte Werner Rätz vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac gesagt.
Der mit Selbstkritik in der Regel ebenfalls sparsame „Rote Flora“-Sprecher rang sich zu einem Statement durch, das den Gewaltausbruch im Viertel halbwegs kritisch reflektierte: „Wir haben den Eindruck gehabt, dass hier eine Form von Militanz auf die Straße getragen wurde, die sich so ein bisschen an sich selbst berauscht hat – und das finden wir politisch und inhaltlich falsch“, so Blechschmidt im NDR. […]
Deutlicher wurden einzelne der Zehntausenden G-20-Kritiker, die sich am Samstag zu einer friedlichen Großdemonstration unter dem Motto „Grenzenlose Solidarität statt G 20“ zusammengefunden hatten. Sie hielten Schilder mit der Aufschrift „Schwarzer Block hau ab“ oder „Schwarzer Block, du vertrittst mich nicht“ hoch.“



Anti-G20-Bündnisse lehnen Verantwortung für Krawalle ab, Abendblatt, 09.07.17. http://www.abendblatt.de/hamburg/article...rawalle-ab.html
„Die Organisatoren der Hamburger Anti-G20-Proteste haben jede Verantwortung für die Krawalle während des Gipfeltreffens zurückgewiesen. "Den Schuh werden wir uns nicht anziehen als die Bündnisse, die einen zivilen Ungehorsam und Demonstrationen organisiert haben", sagte die Sprecherin der Demonstration "Grenzenlose Solidarität statt G20", Emily Laquer, am Sonntag. […]
Das sei nicht Teil der Verabredungen für die Aktionen und Bündnisse gewesen, sagte Laquer, die zu der vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestuften Interventionistischen Linken gehört.“





Polizeibeamte liefern sich nach eigener Aussage ein 'Kreidebattle' mit Demoteilnehmern, Streetphoto Twitter, 8. Juli 2017. https://twitter.com/streetphotoSE/status/883701660589182976
„Jetzt schreibt mal jeder auf was er am anderen nicht mag.“
https://twitter.com/streetphotoSE/status/883707744523612161





Razzia vor G20-Gipfel Polizei durchsucht Wohnungen Linksextremer in Eimsbüttel; Hamburger Mopo, 29.06.17. http://www.mopo.de/hamburg/g20/razzia-vo...uettel-27880862
„Wie die Polizei auf MOPO-Nachfrage bestätigte, ermittelten die Beamten in den betroffenen Wohnungen gegen die marxistische Gruppierung „Roter Aufbau Hamburg (RAH)“. Einsatzorte waren neben Eimsbüttel auch Stellingen und Ottensen. Insgesamt wurden drei Objekte zwischen 7 und 11 Uhr vormittags gefilzt.
Die Ermittlungen stehen offenbar in Zusammenhang mit einem im Februar 2017 veröffentlichten Artikel einer Tageszeitung. Zwei unter Pseudonymen auftretenden Mitgliedern des RAH behaupten darin, die Brandstiftungen im Eingangsbereich der Messehallen am 26.11.2016 sei notwendig gewesen und rufen indirekt zu weiteren, ähnlich gelagerten Taten auf.
Die Innenbehörde stuft den „Roten Aufbau“ als „gewaltorientierte, sich am totalitären kommunistischen Weltbild orientierende linksextremistische Gruppierung“ ein. […]
Die Ermittler stellten unter anderem Akten und Datenträger sicher. Auch verbotene Pyrotechnik, drei Präzisionsschleudern, diverse Stahlkugeln und zwei Schlagstöcke wurden gefunden und beschlagnahmt. Weitere Infos wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht geben.“



Anna Gröhn: G20-Newsblog: Schwere Krawalle im Schanzenviertel, Eimsbuetteler Nachrichten, 07.07.2017. https://www.eimsbuetteler-nachrichten.de...in-eimsbuettel/
Nach den Ausschreitungen zwischen Polizisten und Demonstranten bei der “Welcome to hell”-Demo, kam es in Hamburg vielerorts zu Krawallen. Auch in Eimsbüttel wurden Läden demoliert.



Fabian Hennig: Nach "Welcome to hell"-Demo. G20-Krawalle an der Osterstrasse: “Das ist einfach nur rohe Gewalt”, Eimsbuetteler Nachrichten, 07.07.2017. https://www.eimsbuetteler-nachrichten.de...rt-eimsbuettel/
„In vielen Hamburger Stadtteilen kam es in der gestrigen Nacht zu massiven G20-Protesten und Ausschreitungen zwischen Polizisten und Demonstranten. Auch durch Eimsbüttel zogen Protestierende und Autonome: In der Osterstraße wurden etliche Schaufenster demoliert. […]
Zwischen Heußweg und Schwenckestraße wurde fast jeder zweite Laden demoliert, darunter Banken (Hamburger Sparkasse, Deutsche Bank, Volksbank), größere Ladenketten (Fielmann, Buchhandlung Heymann) und auch kleinere Geschäfte (Maison de Paris, Flug und Ferienreisen Kruse).“



Anna Gröhn: G20-Krawalle in der Osterstraße. Eimsbüttel zeigt Haltung: Kreide malen gegen G20-Gewalt, Eimsbuetteler Nachrichten, 08.07.2017. https://www.eimsbuetteler-nachrichten.de...t-osterstrasse/
„In Eimsbüttel setzen die Anwohner ein Zeichen gegen den G20-Gipfel und die gewaltsamen Ausschreitungen in Hamburg: Sie malen mit bunter Kreide friedliche Sprüche auf die Straße – und zeigen Haltung.
Nach den heftigen Ausschreitungen im Schanzenviertel in der vergangenen Nacht und den Krawallen in Eimsbüttel am Freitagmorgen, haben die Anwohner Eimsbüttels eine kreative und gewaltfreie Form des Protests gefunden: Sie malen mit bunter Kreide kritische, ironische und friedliche Sprüche auf die Straße.“





wenn es denn bei diesem Joke geblieben wäre ….: junge Leute, denen man kein Gewalthandeln zutraut werdeben für Militanz – wissen sie, was sie mit heraufbeschwören?

http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...-a-1155713.html
„Der schwarze Block ist bereit - jedenfalls diese aufblasbare Variante am Hamburger Fischmarkt. Die Aufschrift "Lieber Militanz ich als G20" ist ein Verweis auf eine große Kundgebung gestern Abend. Die hatte als riesiger Rave stattgefunden unter dem Motto "Lieber tanz ich als G20". (Foto: SPIEGEL ONLINE)“

https://de-de.facebook.com/spiegelonline...55662572384869/
„Der schwarze Block ist da. Und er ist nicht ganz dicht...“



Newsblog http://mobile.scribblelive.com/Event/G-2...rg/?Theme=13112
„7. Jul. 2017 15:59 Uhr Immer mehr Menschen ziehen die Kapuzen auf und vermummen sich. Vermummte reißen Steine aus dem Bordstein und zertrümmern sie zu vielen kleinen Teilen. Auch eine Linken-Flagge wird geschwenkt“



„Schwarzer Block“ Wer hinter den Krawallen in Hamburg steckt, Die Welt 10.07.2017. https://www.welt.de/politik/video1664408...urg-steckt.html
„Die Gewalt in Hamburg ging hauptsächlich von schwarz Vermummten aus. Extremisten verschiedener Gruppierungen: Die meisten sind gegen den Staat und Kapitalismus oder sind einfach Krawalltouristen.“



#BlackBlock https://twitter.com/hashtag/BlackBlock?src=hash



Dietmar Pieper: Schwarzer Block bei G20. Jede Gesellschaft hat die Rebellen, die sie verdient, Spiegel, 13.07.2017. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaf...-a-1157449.html
„Die Autonomen setzen radikal um, was heute hoch im Kurs steht: Selbstverwirklichung und Authentizität. Deshalb ist es zu kurz gedacht, sie bloß als verirrte Kriminelle abzutun.
Ein Gewaltakt kann neue Räume öffnen. "Vielleicht ist Freiheit nur der kurze Moment, wo der Pflasterstein in die Hand genommen wird, bis zum Zeitpunkt wo er auftrifft", heißt es in den "10 Thesen zur Autonomie", einem Pamphlet aus den Achtzigerjahren. In diesem Satz verdichtet sich so etwas wie die autonome Utopie: Der Einzelne ist in der Lage, radikal über sich selbst zu bestimmen. […]
Sicherlich haben die Autonomen weder ein geschlossenes Weltbild noch ein ausformuliertes politisches Programm. Viele von denen, die im schwarzen Block mitlaufen, reflektieren wohl kaum darüber, warum sie das tun. Trotzdem gibt es ein bestimmtes Lebensgefühl, in das ideologische Fragmente eingebettet sind. Ihre Gewalt ist nicht vollkommen wahllos. Sie richtet sich gegen Sachen, auch wenn es der Kleinwagen eines Pflegedienstes ist und kein luxuriöses SUV. Sie richtet sich gegen Polizisten als Vertreter des Staates, aber nicht, wie bei Rechtsextremisten und Neonazis, gegen Ausländer.
Dadurch sind die Autonomen anschlussfähig für erlebnishungrige junge Leute aus der bürgerlichen Mittelschicht. Sie bilden so etwas wie eine hedonistische Avantgarde. In ihren Handlungen und Heldengeschichten spiegeln sich die Wertvorstellungen einer Gesellschaft, die Selbstverwirklichung und Authentizität ganz oben auf die Skala gesetzt hat. Was könnte authentischer sein als der körperliche Extremeinsatz gegen alle Regeln?
Insofern stimmt auch hier der Satz: Jede Gesellschaft hat die Rebellen, die sie verdient. Für die große Zahl der Gelegenheitsrandalierer ist diese Unbedingtheit allerdings kein Modell für den Alltag, sie ist nur im rauschhaften Überschwang eines großen Fests attraktiv. […]
Der Einzelne, der jederzeit über sich selbst bestimmt, der keinen aufgezwungenen Regeln unterliegt, schwebt schon durch die frühen Schriften von Marx und Engels. "In der kommunistischen Gesellschaft", heißt es in einer berühmt gewordenen Passage von 1846, werde es jedem Einzelnen möglich sein, "heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe".“

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