Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 142 mal aufgerufen
 Deutschlandpolitik
Gunter Weissgerber Offline




Beiträge: 626

02.11.2015 08:26
Erhard Eppler rechnet mit Helmut Schmidt ab antworten

Dieter Haack zum NATO-Doppelschluß 1983

Stephan Hilsberg:
Lieber Robert,

damit gehe ich im wesentlichen d'acor.

Ich habe mich eher am Ton, als am Inhalt gestört. Dazu werde ich morgen eine Blog veröffentlichen.

Was die "Wende" in der DDR angeht, so ist für mich das entscheidende, dass man nicht aufgibt. Die Opposition in der DDR ist belächelt, bekrittelt und ignoriert worden. Zum Schluß war sie der intellektuelle Impulsgeber. Natürliich gehören die Rahmenbedingungen mit hinzu. Gorbatschow, der technologische Abstand, die Krise des Kommunismus usw. , von mir aus auch die Entspannungspolitik. Doch die Revolution in der DDR ist von diesen Rahmenbedingungen zwar ermöglicht worden, aber nicht organisiert. Das war ja kein Selbstläufer.

Meine Hoffnungen lagen nie in der West-SPD oder generell im Westen. Ich war zunehmend der Meinung, dass wir das Ding alleine machen müssen. Und da war ich noch kein Sozialdemokrat.

Ich habe kein Problem mit Eppler oder der Friedensbewegung. Ich muß die nicht madig machen. Das ist langweilig. Viel interessanter sind die intellektuellen und politischen Hintergründe für deren Versagen. Laßt uns lieber über die Fallen reden, in die die geraten sind.

Das ist nicht einfach eine Kommunismushörigkeit oder Blindheit. Man kann es naiv nennen. Fakt ist, dass die politischen Verhältnisse in Europa und besonders in Deutschland völlig ausgeblendet wurden. Da schossen illusionäre Visionen ins Kraut, an denen sich die SPD und auch die grünen heftig beteiligt haben. Aber auch in der CDU gab es diese Blindheit. Da wurden die eigenen Werte wie das Recht auf Selbstbestimmung geopfert. Da wurde den Ostdeutschen unterstellt, sie identifizierten sich mit ihrem Staat, da glaubte man nicht mehr an die Universalität der eigenen westlichen Werte, (was nebenbei die Frage aufwirft, wie tief die denn wirklich verankert sind?),

Ich war, was die SPD betrifft immer gespalten. Einerseits hat sie eine Modernisierungspolitik betrieben (Eine-Welt-Politik, Ökolisierung der Industriegesellschaft, Gleichberechtigung, usw.), andererseits diese Anbiederung an die DDR, verbrämt als Friedenspolitik. Ich wollte ja kein Kriegshetzer sein, wenn ich der SED die Friedensfähigkeit absprach. Man fühlte sich so alleine damals. Das alles führte zu meiner oben beschriebenen Einschätzung, man muß es selber machen.

Im grunde war es das vernünftigste, was wir machen konnten.

Und dann noch etwas, was heute kaum eine Rolle spielt: Bei aller Anpassung der ostdeutschen Elite vor 1989 an die sowjetisch-kommunistische Verfasstheit der DDR, lebten hier doch auch andere Traditionen, wie Aufklärung, Protestantismus, auch Demokratie. Diese Werte sind stark. Und die permanente Krise des Kommunismus war offenbar. Ich habe die Herrschaft der SED niemals für legitim gehalten. Zum anderen: nicht hoffen auf andere zählt, sondern seine eigenen Chancen wahrnehmen. Und das, meine ich, ist demokratische Haltung. Wir haben damals westliche WErte und westliches Politikverständnis in Reinkultur verkörpert. Und das hat die DDR freigemacht. Und mit diesem Selbstbewußtsein habe ich es nicht nötig, über die Fehler der alten Bundesrepublik zu jammern. Ich zumindest hatte nichts erwartet.

Vielleicht können wir da mal länger drüber reden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Stephan Hilsberg





Hartmut Richter
Liebe Frau, lieber Herr Leppinger, lieber Herr Weissgerber,
Politiker, die so unüberlegt Begriffe wie Internierungslager verwenden, sollten solche Orte wie Hohenschönhausen oder auch Buchenwald und Sachsenhausen, Fünfeichen, Weesow, Ketschendorf usw. besuchen.

Mit Beginn der Entspannungspolitik 1963 hat man die Verbrechen im Ostblock nicht mehr thematisiert. Diese in weiten Teilen vorhandenen Wissensdefizite nutzen linke Zeitgenossen noch heute, um vielleicht auch eigene Verstrickung zu verklären oder zu relativieren.

Als mir 1966 18-jährig mit schützender Hand die Flucht nach West-Berlin gelungen war, wurde ich von linken, "fortschrittlichen" Bundeswehrdrückern und SDSlern, die alte Frauen, vielleicht "Wilmersdorfer Witwen", im Cafe Kranzler mit Ho-Ho-Ho-Chi Minh-Rufen erschreckten, als Idiot eingeschätzt, der nicht begriffen hätte, dass der 1. Deutsche Arbeiter- und Bauernstaat der idealen Gesellschaftsordnung doch näher war als das Schweinesystem der Ausbeutung im Westen. Die Jusos kungelten schon damals lieber mit FDJ-Funktionären als den Disput mit dem politischen Gegner im Lande zu suchen. Immer mehr SPDler, die Kurt Schumacher und Ernst Reuter verinnerlicht hatten, traten aus oder wurden ins politische Abseits gedrängt

Als ich damals offen für die Stationierung der Mittelstreckenraketen gegen die SS 20 stritt, wofür ich Helmut Schmidt noch heute danke, wurde ich aggressiv von Friedensbewegten, unter oder mit einem Herrn Eppler an der Spitze, arg bedrängt. Östliche Geheimdienste glaubten wohl größenwahnsinnig im Westen einen Bürgerkrieg entfachen zu können. Heute verstehen diese fortschrittlich-naiv-gestrickten Menschen Putin, können und wollen sich nicht vorstellen, was ein Leben unter totalitären Verhältnissen in Unfreiheit bedeutet. Sie hätten wohl lieber den Zusammenbruch der USA als die Implosion des Sowjetimperialismus erlebt, ohne bis heute begriffen zu haben, dass sie dann vom Regen in die Traufe gekommen wären.

Politisch korrekt wird zurecht gegen Relativierung der NS-Verbrechen protestiert, Ostalgie jedoch, das demonstrative Posieren in NVA-Uniformen wird lächelnd hingenommen. 2 Petitionen an die Justizministerinnen Zypris und Leutheuser-Schnarrenberger, die ein Verbot solcher Aktivitäten forderten, da dies ehemals Verfolgte traumatisiert, wurden fast wortgleich abgelehnt, da dies die Einmaligkeit der NS-Verbrechen in Frage stellen würde. Bei diesem Wertesystem müssen ehemals Verfolgte und Inhaftierte wohl noch lange um die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Verletzungen ringen. Hier hilft eigentlich nur Aufklärung in ehemaligen Gefängnissen wie Hohenschönhausen, Torgau, Bautzen die heute Gedenkstätten sind oder auch in Schulen als sprechendes Geschichtsbuch. Genau dies tue ich zum Ärger meiner lieben Frau unentwegt zur Zeit im Hessischen und bitte den lieben Gott, dass er mir die Kraft eines Pawel Kortschagin gibt...

Liebe Grüße aus Hessen

Hartmut Richter











Robert Hagen:

Genau. Viele Grüße
Robert

Anhang:
Die rot-grünen Jahre/Joschka Fischer
Kapitel III Der rot-grüne Alptraum – der Krieg im Kosovo
Auszüge Seite 209 ff
„Im Protest gegen diese Stationierung neuer amerikanischer nuklearer Mittelstreckenraketen hatte sich eine große Massenbewegung gebildet, die „Friedensbewegung“, die für den Erfolg der Grünen bei ihrer Gründung und im Verlauf ihrer ersten Jahre als Partei von entscheidender Bedeutung gewesen war.

Neben der AntiAtomkraft-Bewegung war es vor allem die Friedensbewegung gewesen, die der damaligen Initiative zur Gründung der grünen Partei das entscheidende Momentum verliehen hatte. […]. Von diesen friedensbewegten Wurzeln der Grünen bis zum Sonderparteitag im Kosovo-Krieg war es zugegebenermaßen ein weiter, vielleicht sogar ein zu weiter Weg für meine Partei.

Allerdings hatte sich seitdem die Welt dramatisch und sehr grundsätzlich verändert. Der Kalte Krieg war zu Ende gegangen, die Sowjetunion verschwunden, die Nuklearmächte hatten abgerüstet, und mit der Öffnung der Archive im Osten war auch so manche Lebenslüge der westdeutschen Friedensbewegung offenbar geworden. Das Ausmaß ihrer geheimdienstlichen und politischen Unterwanderung durch den Osten, die Realität und das ganze Ausmaß der sowjetischen Raketenbedrohung und der politischen Planungen und Absichten dahinter, all diese dokumentierten Tatsachen waren jetzt nicht mehr zu leugnen, sondern bestenfalls noch zu ignorieren.

Und genau dies geschah, denn die Geschichte der Unterwanderung und des Verrates von den Teilen der Friedensbewegung, die eher einen Systemwechsel als eine Alternative zum Wettrüsten im Sinn gehabte hatten, wurde bis heute kaum jemals systematisch und mit der notwendigen Selbstkritik aufgearbeitet, auch in unserer Partei nicht. Und insofern konnten auch die richtigen Lehren nicht gezogen werden."


Ernst Eichengrün:
Natürlich konnte der Nachrüstungsbeschluss nicht auf ein Ende der SU abzielen.



Er war einfach eine notwendige Defensiv-Reaktion auf die Vorrüstung des Ostens:



Mit der SS 20 wollte Breschnew die Möglichkeit schaffen, Westeuropa unterhalb der Schwelle

eines großen Atomkriegs in die Kniee zu zwingen. Dazu hätte er keinen einzigen Schuss

abgeben müssen.

Denn schon das Vorhandensein einer einsatzbereiten Übermacht hätte Westeuropa

oder zumindest einige westeuropäische Staaten bei passender Gelegenheit zu weitgehenden

Konzessionen zwingen können. Außenpolitischen, aber auch innenpolitischen:

Wohlverhalten z.B. oder auch das Lockern des Embargos über strategisch wichtige Güter.

Zu diesen gehörten auch die Produkte der digitalen Revolution, die die SU völlig verschlafen hatte,

zu der sie auch wegen der Unterdrückung von Eigeninitiative und Spontaneität nicht in der Lage war.

Selbst zum Schluss lag der Osten hier zwei Generationen hinter dem Westen zurück

und der Abstand wurde ständig größer.



Breschnews Erpressungs-Versuch schlug fehl. Das atomare Patt, das er aushebeln wollte, war wiederhergestellt.



Die SDI Reagans - egal, ob sie technisch machbar war oder nicht - führte Moskau schließlich

vor Augen, dass es ein weiteres Wettrüsten einfach nicht bezahlen konnte.

Ein symbolischer Schlusspunkt war dann die ungehinderte Landung des "Kreml-Fliegers"

Matthias Rust auf dem Roten Platz.

Gorbatschow zog innen- wie außenpolitisch die notwendigen Konsequenzen.



Zur westdeutschen Friedensbewegung:

Bei denen, die von lauteren Motiven oder Naivität getrieben waren, fehlte die Bereitschaft,

die außenpolitischen Mechanismen zu verstehen. Sie kannten auch nicht das sowjetische Verständnis

der Koeixstenz. Diese zielte nämlich meineswegs auf ein friedliches Weiden der Lämmer mit den Wölfen

auf der grünen Wiese ab, sondern hatte die weltweite Durchsetzung des Kommunismus zum Ziel.

Eppler hätte all dies wissen müssen!



Doch diese "Friedensbewegung" bestand ja auch noch aus ganz anderen Leuten. Ihnen ging es nicht um

"Lieber rot als tot", sondern sie wollten lieber rot als die bestehende demokratische Ordnung.

Dafür wurden viele von ihnen auch vom Osten angeleitet oder bezahlt. Aber das hat die naiven Mitläufer nicht gestört.



Und noch eine Gefahr brachte die "Friedensbewegung" mit sich:

Wir wissen ja, dass im Kreml eine Art "Führerhauptquartier"- Atmosphäre herrschte:

Niemand wollte der Führung unangenehme Nachrichten überbringen. Lieber blies man die eigenen Erfolge

bei der Unterminierung des Westens auf. Das führte oftmals zu einer Fehleinschätzung der Realitäten

(mit der Planwirtschaft lief es ja nicht anders). So konnte auch die Berichterstattung der DDR über die

von ihr unterstützte westdeutsche "Friedensbewegung" in Moskau zur einer Überschätzung der

eigenen Möglichkeiten führen. Helmut Schmidts Initiative hat diese Blase platzen lassen.

Gut, dass Eppler sich nicht durchsetzen konnnte. Statt vor oder quer zu denken, hätte er besser

daran getan, einfach mal zu denken.



Und noch was zu Eppler:

Als Landesvorsitzender praktizierte er keineswegs die von ihm auf Bundesebene eingeforderte Pluralität

innerhalb der Partei. Auf den Landeslisten zur Bundestagswahl räumte er gründlich mit den "Rechten" auf.

Der Landesverband ging auf strammen Linkskurs. Er hat sich in den Augen der Wähler davon seitdem nicht mehr erholt.


Berthold Dücker:
Nur noch ein Wort zu Eppler: Intellektualität entschuldigt nicht alles. Und die Intellektuellen sollten eigentlich schon untereinander darauf achtgeben, dass der Begriff nicht zu einem Schimpfwort wird. Im Übrigen liegen wir im Kern doch gar nicht so weit auseinander, ich meine jetzt den von mir sehr geschätzten Stephan Hilsberg und etwa uns beide.

Ich jedenfalls habe E. „kennengelernt“, noch bevor er Minister wurde und seit dem sein Treiben über Jahrzehnte mit Interesse verfolgt. Natürlich war nicht alles schlecht, was er je gesagt, geschrieben und getan hat. Er war immer auch ein wichtiger Mahner. Und Politik braucht immer auch Mahner. Aber ich kenne eben auch seine eklatanten (und leider auch folgenschweren) Fehleinschätzungen wie Fehlleistungen. Ich habe nie bestritten, dass er dennoch ein kluger Kopf sein mag, sage gleichzeitig aber auch, dass er seit Jahrzehnten (und stets nur aus einer ganz bestimmten Ecke) hochgradig überschätzt wird. In m einen Augen war er n i e ein „Vordenker“. Er stand für eine Minderheit in seiner Partei, der er nicht immer gut getan hat. O. k. Am Ende steht aber doch die Frage: Hat er seiner Partei unterm Strich nun mehr geschadet als genutzt? Ich sehe mich - erst recht im Rückblick- noch immer eher bei Ersterem.

BD


Lieber Stephan, ich war gestern abend auf Point Alpha und kann deshalb erst jetzt ausführlicher antworten.

Du hast recht, es war ein wenig undifferenziert, was ich sehr grob skizzierte. Ich setze allerdings auch für meine Person voraus, dass es allseits bekannt ist, dass ich sämtliche Zusammenhänge und Personen/Oppositionsgruppen und Daten halbwegs präsent habe. Dies habe ich fast unendlich oft selbst beschrieben. Zu Eppler und Friedensbewegung wollte ich gestern einfach mal nur auf den von so gesehenen Kern rabiat verkürzen.

Richtigerweise hätte ich von der Friedensbewegung-West schreiben müssen. Bekanntlich gab es erhebliche Unterschiede, für mich eher positiv für die Friedensbewegung-Ost auslegbar.
Selbstverständlich ist es nicht korrekt, von -der Friedensbewegung-West - zu schreiben und damit ein Pauschalurteil über diese Bewegten abzugeben. Es waren auch jede Menge Besorgte darunter. An der Stelle muss es dann aber auch erlaubt sein, Pegida ebenfalls nur Besorgte mit zu unterstellen - bei aller grundlegenden Ablehnung unsererseits derselben.

Wer jedoch hinter dem absolut blödsinnigem Satz "Lieber rot als tot!" hinterherlief, der muss sich die Gegenüberstellung mit dem genaus blödsinnigem Satz "Merkel nach Sibirien und Putin nach Berlin!" gefallen lassen.
"Lieber rot als tot!" war nichts anderes als das Verdikt über die Ostblockinsassen, auszuharren und nichts in Richtung Freiheit und Demokratie zu verändern, weil genau dies den Status Quo geändert hätte. Beiläufig hinzuzufügen bleibt mir an dieser Stelle die Sottise "Dann hätten diese Klugscheißer doch alle rüberkommen sollen." Lieber rot als tot hätten sie dann mit (Staats)Sicherheit leben können.
Ich habe auch immer den im Westen entstandenen Ruf "Dann geh' doch rüber!" verstanden. Uns den Sozialismus gönnen und diesen selbst nicht auszuprobieren besaß nun mal Kabarettreife im Übermaß.

Ich kann übrigens wie Du nicht aus meiner Haut heraus. Ich war Anfang der 80er Jahre von "meiner" SPD schwer enttäuscht. Den eigenen Kanzler mit der Friedensbewegung-West zu desaouvieren und kurz danach ein gemeinsames Papier mit der SED zu erarbeiten. Das war für mich einfach hanebüchen. Gerade weil die Grundlagen der Entspannung durch die Kanzler Brandt und Schmidt gelegt wurden und vor dem Hintergrund der Neuen Ostpolitik gerade die Nachrüstungsbegründung in hohem Maße glaubwürdig war. Wer so fair den Ausgleich mit der Sowjetunion suchte, der konnte den Nachholbedarf der westlichen Allianz gegenüber dem Warschauer Pakt nicht erfunden haben. Da war auch nichts erfunden. Verhandeln und das Ankündigen eigener Modernisierung im Falle des Nichterfolges in den Verhandlungen, das war doch absolut richtig und geboten. Dafür habe ich mich im Freundeskreis damals verhauen lassen, hierzu bin ich nach den glücklichen Erfahrungen 1989/90 erst recht bereit. Mir sind wie Dir sämtliche handelnden Personen der damaligen Zeit gut bekannt. Ich für meinen Teil weiß genau, wem wir bis 1989 nichts zu verdanken hatten. Erhard Eppler gehörte dazu. Erst am 17. Juni 1989 überraschte mich Erhard Eppler überaus positiv. Seine Rede zum Tag der Deutschen Einheit war einfach nur fantastisch. An dem Tag war ich erstmals mit ihm versöhnt. Meine zweite Versöhnung mit ihm gab es in de Diskussionen um die AGENDA 2010. Fulminant ergriff er für Gerhard Schröder Partei. Meine Gesamtbilanz mit ihm ist für mich eher negativ durchwachsen.

Die wesentlichen politischen Idole meiner Jugend hießen Willy Brandt (der taffe Regierende Bürgermeister von Berlin, der Bundeskanzler Brandt mit seinem Erfurt-Besuch und seinem Kniefall in Warschau, seine Ostpolitik nicht zu vergessen), Helmut Schmidt (toller Verteidigungs- und Finanzminster, klasse Bundeskanzler mit dem Durchstehen der RAF- und Terrorismusherausforderungen/Doppelte Nullösung) sowie der israelische Sozialdemokrate Mosche Dajan, der Held des 6-Tage-Krieges.
Mit Brandt fremdelte ich etwas während der Nachrüstungsdebatte. Hier war ich enttäuscht. Wieder glücklich mit ihm war ich dann ab 1989. Alles in allem sind er und Schmidt meine beiden höchstangesehenen Sozialdemokraten. Daran vermag der sehr späte Helmut Schmidt mit seiner Putinnachsicht nichts mehr zu ändern. Würde Helmut Schmidt heute in Verantwortung sein, würde er es wie mit seiner Nachrüstungsidee machen: Mit der Ukraine und mit Putin verhandeln und Putin klar mitteilen, dass im Zweifel für die Bundesrepublik Artikel 5 des NATO-Vertrages (Bündnisfall) selbstverständlich gilt.

Robert Hagen beschrieb es richtig. Der NATO-Doppelbeschluß war ein wichtiger Sargnagel des Ostblocks. Erhard Eppler wollte diesen nicht einschlagen. Schmidt schon. Zum Glück machte Kohl ab Herbst 1982 nicht alles falsch und führte die sozialliberale Außen- und Deutschlandpolitik weiter.

Liebe Grüße

Gunter


Robert Hagen:
Lieber Stephan,
die Leistung der Bevölkerung der DDR bei der Weltenwende will ich und kann ich nicht klein reden. Aber den entscheidenden Anstoß für die fundamentale Änderung des Weltgeschehens haben der für die SU verlorene Krieg in AFG , die Nachrüstung und vor allem der relative Zusammenbruch der Staatswirtschaft in den sozialistischen Ländern in Bezug zu den globalisierenden "kapitalistischen" Ländern verursacht. Die Nulllösung war m.E. nicht die Ursache, so doch einer der wesentlichen Sargnägel für die epochale, äußerst positive Veränderung der Weltgeschichte. Du und die Regimefeinde in der DDR ward die entscheidenden Katalysatoren, Eppler und seine Genossen aber waren strategische Dimensionen von der Wende entfernt. Gut, dass sie damals hierzulande nichts zu sagen hatten.
Viele Grüße
Robert

Von: Bernd Voigtländer
Datum: 1. November 2015 10:01:00 MEZ


Ich schlage vor, die allseits genannten Gründe zusammenzufassen, denn sie sind alle beteiligt gewesen; zu wieviel % - das wird schwer festzustellen sein.
Allerdings wirkt die Totrüstung noch heute, weil sie wirtschaftliche Kapazität bindet und somit den allgemeinen Wohlstand beeinflusst. Das hat Gorbi erkannt und den Stöpsel aus der Wanne gezogen. Das ein einmal fließender Strom dann schwer aufzuhalten ist, besonders wenn einige Schwächen zeigen die eigentlich gegenhalten wollen, das ist nun mal so und eben noch mehr, wenn wieder andere mit am Stöpsel ziehen. Ob das G. so vorausgesehen hat, ich bezweifele es, kann nur er beantworten, wird es aber nicht.
B.V.

Am 31.10.2015 um 22:55 schrieb Stephan Hilsberg:
Lieber Berthold, lieber Gunter,
Tut mir leid, ich kann mich dieser negativen Einschätzung Epplers nicht anschließen.

Eppler ist ein Intellektueller, der seine Fehler gemacht hat. Er hat seine Überzeugungen gelebt, die sich manchmal geändert haben, und er ist ihnen insoweit bis heute treu geblieben.

Sowohl als Intellektueller, wie auch als Politiker hat er sich gestellt. Er hat Auskunft gegeben, er hat mit seinen Überzeugungen nicht hinterm Berg gehalten. An ihm kann man sich reiben, man kann an ihm lernen.

Im übrigen habe ich von der These, dass Ronald Reagan mit seiner Hochrüstungspolitik die SU in den Bankrott getrieben habe, noch nie viel gehalten. Denn es war gerade das unauflösbare Rätsel des Kalten Krieges, dass die atomwaffenbesitzenden Mächte, ihre Atomwaffen nicht einsetzen konnten, bei Strafe des eigenen Untergangs. Das war jedem amerikanischen Präsidenten, von Truman angefangen, nach seinen Erfahrung mit Hiroshima und Nagasaki bewußt, und auch der russischen Seite.

Der Kalte Krieg war der erste Krieg, der nicht mit Waffen entschieden wurde.

Die Krise des Kommunismus, die eine Dauerkrise war, bestand bekanntlich lange vor Reagan schon.

Was die SU in die Knie gezwungen hat, war der Hunger, und der zunehmende uneinholbare technologische Abstand zum Westen. Gorbatschow mußte etwas tun, wenn er hier etwas für Rußland retten wollte.

Und was die Friedensbewegung des Westens betrifft, so habe ich mich auch über sie geärgert, wie über die SPD.

Aber besser als diese verächtlich zu machen, ist es, zu benennen, was ihr Fehler war, und wieso sie so blind geworden sind, trotz Willy Brandt, der diese Fehler nicht geteilt hat, nebenbei aber Eppler sehr geschätzt hat.

Vielleicht kann man dieses Forum auch dazu benutzen, mal die Fehler zu analysieren, in die die SPD und die westdeutsche LInke geraten ist, als sich nur überheblich gegen ihre Vordenker zu äußern. Diese Fehler wirken nämlich weiter. Und sie sind bis heute nicht aufgeklärt.

Und zuletzt: Gelegentlich wird Aufklärung von Arroganz begleitet, aber letztere ersetzt sie nicht.

Tschüss Euer Stephan


Am 31.10.2015 um 15:35 schrieb M. und B. Duecker:

Was mich noch immer ank…..: Eppler war nie ein „Vordenker“ der SPD. Wer entscheidet eigentlich eine derartig überhebliche Einordnung?

Eppler war noch nicht mal ein Nachdenker!

BD

Von: Gunter Weissgerber
Gesendet: Samstag, 31. Oktober 2015 12:52
Betreff: Berthold Dücker: AW: Erhard Eppler rechnet mit Helmut Schmidt ab -

Eppler? Er war es, der zu denen gehörte, die 300 000 hysterische Leute in den Bonner Hofgarten gegen den Doppelbeschluss (und gegen Schmidt) lockten. Das hieß damals links "Friedensbewegung" und heißt heute rechts "Pegida". Irgendwie jedenfalls. Ohne Hirn und Verstand über die unbekannte Welt da draußen weinen. :'(
Ich fand die Bonner Veranstaltung damals zum Kotzen. Wir fanden da nicht statt. Es ging gegen die bösen Amis und nicht für die Freiheit. "LIEBER ROT ALS TOT!" hieß der defätistische Schwachsinn damals. Heute heißt der Müll "Blutin nach Berlin und Merkel nach Sibirien!". Die Doofen werden niemals alle! Sie werden nicht mal weniger.

Nochmal zu Eppler: Er stand für das "nach-industrielle Berliner Programm" und zog auch damit die SPD 1990 in die Niederlage. Zuständig für schöne Worte. Die Arbeit müssen andere erledigen.
Zu Schmidt: Leider vergißt er im hohen Alter seinen eigenen Mumm in der Nachrüstung und pfeifft inzwischen das Lied der Putinversteher und Ukraine-Nicht-Seher. Auch das gehört zur Wahrheit, leider.

GW

Betreff:

AW: Erhard Eppler rechnet mit Helmut Schmidt ab - SPIEGEL ONLINE

Sat, 31 Oct 2015 12:12:03 +0100

Von: M. und B. Duecker



Ach der Eppler! Er war schon immer ein Depp und Traumtänzer! Ich habe ihn noch nie ernst genommen.

Was hat der Mann denn schon wirklich bewirkt? Außer vielleicht, dass er mit Lafodödel und Genossen Helmut Schmidt gestürzt hat. Er lag doch immer nur daneben! Auch eine Lebensleistung. Warum muss diese Oberpfeife eigentlich noch immer ständig durch die Zeitungsspalten getrieben werden???


Von: Gunter Weissgerber
Gesendet: Samstag, 31. Oktober 2015 10:24

Betreff: Fwd: Erhard Eppler rechnet mit Helmut Schmidt ab - SPIEGEL ONLINE

Da hat Eppler bißchen was verpaßt: Die Nachrüstung hat die Sowjetunion in den Kollaps gebracht und uns über viele Umwege die und viele mutige Menschen im Ostblock die Freiheitschancen ermöglicht.
Mit dem Quatschen der Epplers würden wir heute noch immer im Ostblock gefangen sein. Last but not least: Ohne Doppelbeschluß kein INF-Vertrag!

GW



Erhard Eppler rechnet mit Helmut Schmidt ab - SPIEGEL ONLINE


Sat, 31 Oct 2015 09:38:14 +0100

Von: WR Communication



http://www.spiegel.de/politik/deutschland/erhard-eppler-rechnet-mit-helmut-schmidt-ab-a-1060397.html

Dateianlage:
PointAlphaPreis170610_Rede Schmidt.pdf
Erfolge feiern FR SPD.pdf
1983 Untergang abgewendet - Verfasser Volker Bausch.pdf
 Sprung  
Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen