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Gunter Weissgerber Offline




Beiträge: 591

22.10.2015 08:26
Richard Schröder antworten

Richard Schröder war SPD-Fraktionsvorsitzender in der freigewählten Volkskammer und gehörte dort zu den intellektuellen Glanzlichtern. 1994 war er Landeslistenführer der Brandenburgischen SPD zur Bundestagswahl. Da in dem Jahr für die SPD in BB sämtliche Wahlkreise direkt gewonnen wurden, zog die Landesliste nicht und Richard Schröder verfehlte den Einzug in den Bundestag. Richard Schröder wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ein maßgeblicher ostdeutscher SPD-Wortführer geworden, was dem Einigungsprozeß und der SPD gleichermaßen wohl getan hätte. Richard Schröder hätte definitiv keine Worthülsen geprägt, die von Linksaußen hätten aufgeschnappt und "kulitiviert" werden können. Dessen bin ich sicher.

Point Alpha Preis 2016 für Richard Schröder


Wie lebte es sich als Christ in der DDR?



Richard Schröder zum Kommentar von Michael Fehling:

Lieber Gunter,

in meinem Artikel zur Flüchtlingsproblematik (Langfassung tsp-online) habe ich leichtsinnigerweise den Ausdruck „Schutzhaft“ verwendet, der in der Nazizeit arg missbraucht worden ist, aber zuvor rechtsstaatlich korrekt etwa in Preußen verwendet wurde. Daraufhin hat mich dieser Schlaumeier Michael Fehling aus Hamburg ordentlich abgewatscht als jemand, der Nazitermini verwendet. Da bist du natürlich (publizistisch) tot.

Deshalb ist es vielleicht interessant, dass das Phänomen der rechtsstaatlich korrekten Schutzhaft, nämlich inhaftiert werden ohne dass das eine Strafe ist, heute unter folgenden Ausdrücken praktiziert wird: Unterbindungsgewahrsam, Schutzgewahrsam, Polizeigewahrsam, Sicherungsverwahrung. So darf etwa jemand in Haft genommen werden, um seine Selbsttötung zu verhindern (vorausgesetzt wird, dass sie unter verminderter Zurechnungsfähigkeit, etwa unter einer Depression erstrebt wird) oder auch eine vorbereitete Straftat. Allerdings ist das Polizeigewahrsam nur 24 Stunden zulässig, danach muss eine richterliche Gewahrsamsanordnung erfolgen.

Ergo: Abschiebehaft ist keine Strafe und auch andere Formen der Haft gibt es, die keine Strafe sind. Wer unter einer Depression die Selbsttötung versucht und daran durch die Polizei gehindert wird, wird dadurch nicht kriminalisiert. Es wird ihm vielmehr die Gelegenheit geboten, nach medizinischer Behandlung mit verhältnismäßig klarem Kopf erneut zu entscheiden, ob er wirklich aus dem Leben scheiden will.

In die Nazi-Ecke stellen und mit dem Schein des Besserwissens mundtot machen, mit mir macht ihr das nicht unwidersprochen!

Dein Richard.



Der Autor, Prof. Richard Schröder (Blankenfelde bei Berlin), lehrte Theologie und Philosophie an der Berliner Humboldt-Universität. Von 1991–1997 gehörte er der Leitung der EKD an. 1997 lehnte er eine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten ab, weil er nicht gegen Johannes Rau kandidieren wollte.


Die Flüchtigen von heute und die Lehren von gestern
Artikel für „Die Zeit“. 11.000 Zeichen. Termin: 2.5.2016, morgens
Die Frage, bis zu welchem Grade das Leben den Dienst der Historie brauche, hat schon Nietzsche beschäftigt und zu der Auffassung geführt, dass ein Übermaß an Beschäftigung mit der Vergangenheit zur Entwurzelung einer lebenskräftigen Zukunft führen müsse. Im selben Sinne argumentiert Heinrich August Winkler, wenn er jüngst an dieser Stelle vor einem deutschen Moralmonopol in der Asyldebatte warnt und eine vermeintliche deutsche „Selbstsingularisierung“ in der Flüchtlingsfrage auf die „ewige Vergangenheitsbewältigung“ der Deutschen und ihr überhebliches Selbstverständnis als die guten Schüler der Geschichte zurückführt.
Ob die Geschichte als Lehrmeisterin taugt, mag eine mit Recht umstrittene Frage, und die Lehren, die sie bereit hält, erweisen sich regelmäßig als bloße Projektionen der Gegenwart auf die Vergangenheit. Aber sie stellt immerhin nützliches Wissen und brauchbare Maßstäbe bereit, um auch die unter dem Druck der Massenmigration aufgeflammte Identitätskrise des europäischen Gesellschaftsmodells besser zu beurteilen.
Schübe von Massenmigration sind auch in der Neuzeit kein Sonderfall, sondern eine periodisch wiederkehrende Regel. Was wäre Berlin im 18. Jahrhundert ohne den Zustrom der hugenottischen Franzosen gewesen, die einmal fast ein Fünftel der Stadtbevölkerung ausmachten, was ein Jahrhundert später das Ruhrgebiet ohne die halbe Million aus Oberschlesien und Masuren eingewanderten Ruhrpolen, was Nordamerika ohne die sechs Millionen deutscher Auswanderer nach Übersee?
Kontinuität bildet wohnt auch dem abwehrenden Misstrauen inne, das dem Fremden entgegenschlägt, der heute kommt, aber auch morgen bleibt. Die Angst vor Überfremdung und Verdrängung heftet sich an immer neue Integrationshindernisse, die in immer gleicher Weise für unüberwindbar gehalten werden: Vorgestern der Streit von Reformierten und Unierten, gestern der Gegensatz von Protestanten und Katholiken, heute die Konkurrenz zweier monotheistischer Religionen und der Kontrast von Gläubigkeit und Säkularität überhaupt.
Analogien weisen schließlich die einzelnen Stadien im Umgang mit dem Fremden auf: Nach einer Zeit wütenden Aufbegehrens folgen Phasen des verfestigten Nebeneinanderherlebens, deren Lager nach Generationen allmählich ausfransen und sich schließlich fast unbemerkt auflösen. Wer erinnert sich noch, wieviel feindselige Ablehnung in der Nachkriegszeit den Vertriebenen entgegenschlug, die nicht so sehr als liebe Landsleute begrüßt, sondern als unwillkommene Eindringlinge ausgegrenzt wurden; wer weiß noch, mit welchen Sorgen um die Sittlichkeit der Nation und um die deutsche Esskultur die ersten Gastarbeiterschübe aus Italien und Spanien in der Bundesrepublik der sechziger Jahre empfangen wurden?
Der historische Blick lässt aber auch die Besonderheiten der gegenwärtige Massenmigration nach Europa deutlicher hervortreten: Anders als die Wanderungsbewegungen der Nachkriegszeit ist die heutige zeitlich nicht begrenzt, sondern vermutlich auf lange Sicht anhaltend. Sie ist zudem im Ganzen nicht gesteuert, auch wenn in die Auseinandersetzung um Stabilisierung und Destabilisierung des Nahen Ostens massiv von außenpolitischen Interessen beeinflusst wird. Vielmehr stellt sie ein politisch kaum beherrschbares Phänomen dar, das mit der fortschreitenden Globalisierung einhergeht und auf einen über lange Zeit zurückgestauten Ausgleich zwischen Erster und Dritter Welt drängt. Schließlich ergibt sich in historischer Perspektive der paradoxe Befund, dass die Grenzen in der Zeit des Kalten Krieges durchlässiger sein konnten als heute: Nicht nur die Millionen Flüchtlinge aus der DDR und später die Spätaussiedler aus Polen und Russland, auch die Flüchtlinge aus Ungarn, aus der Tschechoslowakei und aus Südostasien fanden in der Bundesrepublik als Opfer des Kommunismus offene Aufnahme.
Winklers Kritik an der deutschen Vergangenheitsversessenheit aber reicht weiter. Ihm zufolge verstellt sie einen verantwortlichen Umgang mit den Herausforderungen der Gegenwart. Lähmt die geschichtskulturelle Versenkung in die deutsche Schuld an Völkermord und Vernichtungskrieg die Kraft zur Bewältigung der humanitären Gegenwartskrise?
Nein, sie tut es nicht. Ganz im Gegenteil. Gewiss bleibt die Bundesrepublik mit Herfried Münklers Worten ein geschichtspolitisch hochgradig verwundbarer Akteur. Aber die Programmatiken vom Front National bis zur AfD belegen, dass auch ein virulenter Antiislamismus sich sehr wohl mit der Distanzierung von Antisemitismus und Minderheitenverfolgung verträgt, wie der Hinauswurf von Jean-Marie LePen aus dem Front National durch seine Tochter und Nachfolgerin ebenso vorführt wie das gerade in Stuttgart verabschiedete neue Parteiprogramm der AfD. Auch haben fünfundzwanzig Jahre der Aufarbeitung einer zweiten Diktatur in Deutschland nach seit 1990 nicht verhindert, dass die Pegida-Bewegung sich des mutmachenden Slogans „Wir sind das Volk“ bemächtigen konnten - selbst in den Kreisen der früheren DDR-Opposition rief diese Aneignung erstaunlicherweise höchstens matte Empörung hervor.
Auch lässt sich das mäandernde Handeln der Kanzlerin in der Flüchtlingskrise schwerlich auf aufarbeitungsbedingte Handlungsskrupel und Moralerwägungen reduzieren, wie Winkler mit seiner Unterscheidung von gesinnungsethischer „Wir schaffen das“-Rhetorik und verantwortungsethischer Grenzschließung nahelegt. Winkler kann sich dabei auf Max Weber berufen. Der aber nahm die Unterscheidung zwischen dem nur moralisch denkenden Heiligen und dem pragmatisch handelnden Politiker schon am Ende des berühmten Vortrags wieder zurück, in dem er sie in der Münchner Revolutionszeit 1919 entwickelt hatte. Tatsächlich verwischt sie mehr, als sie erklärt. Denn natürlich ist Merkels patriotischer Appell „Wir schaffen das!“ nicht ohne die Sorge vor den Folgen einer Abschottungspolitik zu begreifen, die das europäische Projekt durch die Überlastung der mediterranen Anrainerstaaten pulverisiert hätte.
Etwas anderes aber erklärt die Nachhaltigkeit einer deutschen Erinnerungskultur, die seit Jahrzehnten auf die dauerhafte Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld und dem unfassbaren Triumph von Barbarei und Menschenverachtung beharrt. Es ist die erstaunlich anhaltende Bereitschaft innerhalb der deutschen Gesellschaft, sich der Aussichtlosigkeit der Lage und dem Versagen der Politik mit zivilgesellschaftlichen Mitteln entgegenzustellen. Dies unterscheidet die heutige Asyldebatte etwa von der, die am Ende der 1970er Jahre das Schicksal der vietnamesischen Boat-People auslöste: Damals folgte aggressive Ernüchterung auf die zunächst parteiübergreifende Willkommenskultur. Heute hingegen steht der Kontinuität fremdenfeindlicher Ablehnung eine gesellschaftlich stabil verankertes Flüchtlingsengagement gegenüber, das das „Nie wieder“ ritualisierter Gedenktagsbeschwörungen in das alltägliche „Hilfe jetzt“ überführt.
Der historische Vergleich schärft zugleich den Blick dafür, dass wir am Ende einer Epoche stehen, die sich als Nachgeschichte des extremen 20. Jahrhunderts verstand und den liberaldemokratischen Rechtsstaat als Sieger im Kampf seiner drei Großordnungen. Der Vormarsch autoritärer Politikstile in Europa, die gegenwärtig unaufhaltsam scheinende Ausbreitung des Rechtspopulismus deuten an, dass dieses postdiktatorische Biedermeier hinter uns liegt. Die Zeit ist vorbei, in der das Projekt Europa und seine menschenrechtliche Fundierung können sich als gelungenes Ergebnis eines welthistorischen Lernprozesses definieren konnten und die europäischen Regierungschefs wie noch 2000 zu einer Holocaust-Konferenz versammelten, um die Fundierung des Projekts Europa als Abgrenzung von der unheilvollen Vergangenheit zu unterstreichen.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass in eben diesen Tagen die schon lange lustlos betriebene Errichtung eines deutschen Freiheits- und Einheitsdenkmals auf der Berliner Schlossfreiheit ihr klangloses Ende fand und gleichzeitig die in der Stasi-Unterlagen-Behörde konzentrierte Aufarbeitung der SED-Diktatur von der öffentlichen Sichtbarkeit stärker in die Sphäre der fachliche Professionalisierung rückt. Die neuen Konfliktlinien der europäischen Gesellschaften werden nicht durch eine deutsche Sondermoral und eine nationale Selbstsingularisierung gezogen, wie Heinrich August Winkler fürchtet, sondern von einer transnational unterschiedlichen Bewertung der Menschenrechte. Die Denkfigur der nationalen Homogenität ist historisch überholt. Die neuen Grenzen verlaufen nicht mehr zwischen Gestern und Heute und zwischen Verdrängung und Aufklärung, sondern zwischen Offenheit und Geschlossenheit, zwischen Liberalität und Illiberalität. Die neuen Grenzen trennen weniger die einzelnen Nationen als vielmehr ihre innergesellschaftlichen politische Lager und kulturellen Milieus. Inwieweit die Humanität ihre Geltungskraft auch unter dem Migrationsdruck der Gegenwart behaupten kann, lehrt der Blick auf die Vergangenheit nicht. Aber dass sie es vermag, bleibt eine historische Hoffnung.
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Ohne Strenge bei Migranten machen wir uns zum Affen

Point Alpha Preis 2010 an Helmut Schmidt

Peter Voß fragt Richard Schröder am 20. Juli 2009

Wir können uns keinen Schlendrian leisten

Verblasste Mythen

Laudatio für Helmut Schmidt in der Zeit 12.11.2015

Dateianlage:
Flüchtlinge 2015.pdf
unrechtsstaat richard schröder.pdf
Kommunismus I 0211.pdf
Kommunismus II 0211.pdf
Deutsche Einheit Hamburg 310115.pdf
Montagsdemo DNS 2014.pdf
FAZ Schröder Januar 2014.pdf
Fundstück NATO Einheit 1990.pdf
Mauerbau 2014 Die Kirche.pdf
richard schröder einheitsdatumKap C9 3.Okt.pdf
Antisemitismus ABC-Zeitung 1984.pdf
Bücher Richard Schröder.pdf
1963 Lewwer duad as FAZ 020113.pdf
Aufarbeitung 060114.pdf
Häftlingsarbeit 160614.pdf
Montagsdemonstration 061014.pdf
SED-Symbole 030613.pdf
Treuhand 0402013.pdf
Nächstenliebe muss mit Vernunft gepaart sein.pdf
Mittelstand DDR 0116.pdf
Festschrift Beitritt Koalitionsbruch 060316.pdf
Islam AfD Freitag.pdf
Die Flüchtlinge von heute und die Lehren von gestern (Die Zeit).pdf
Sabrow Mai 2015.pdf
Kirche im Sozialismus 2009.pdf
Laudation Wolfgang Clement für Richard Schröder Point Alpha Preis 2016.pdf
Richard Schröder -Demokratie Point Alpha 0616.pdf
DNS Kriegsgräber Opfer 2016-1.pdf
Flüchtlinge30-07-2016.pdf
Brüsewitz.pdf
Wer war das Volk, wer ist das Volk.pdf
Angefügte Bilder:
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